Die Lutherstadt Wittenberg ist Kreisstadt des Landkreises Wittenberg im östlichen Teil des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Sie liegt an der Elbe zwischen Dessau-Roßlau im Westen, dem Fläming im Norden, der Dübener Heide im Süden und der Elbe-Elster-Region im Osten knapp 100 Kilometer südwestlich von Berlin und etwa 70 Kilometer nordöstlich von Leipzig. Herausragende Bedeutung erlangte Wittenberg als eines der wichtigsten deutschen Zentren politischer, kulturgeschichtlicher und künstlerischer Bestrebungen im 16. Jahrhundert. Die weltberühmten Reformationsstätten in der Altstadt und in verschiedenen Epochen entstandene Gebäude zählen zu den bedeutendsten Stätten der deutschen Geschichte. Die Wirkungsstätten Martin Luthers, Philipp Melanchthons und Lucas Cranachs werden bereits seit Jahrhunderten von internationalen Gästen aufgesucht. Das Lutherhaus, das Melanchthonhaus, die Stadt- und die Schlosskirche sind als Luthergedenkstätten seit 1996 Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. Wittenberg war Hauptstadt des sächsischen Kurkreises und einst herzogliche und kurfürstliche Residenz von Sachsen-Wittenberg. Später wurde sie auch Zentrum der chemischen Industrie und ein wichtiger Eisenbahnbahnknotenpunkt an den Strecken Berlin–Leipzig und Magdeburg–Dresden. Bauwerke in Wittenberg Schloss und Schlosskirche Einer der Hauptanziehungspunkte ist das Wittenberger Schloss und die Schlosskirche, vor allem in Verbindung mit dem mutigen Angriff auf die Ablasspraxis der römisch-katholischen Kirche im 16. Jahrhundert durch die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers. Nach den Zerstörungen der Kirche und des Schlosses in den Jahren 1760 und 1814 wurde das Schloss als Bestandteil der Verteidigungsanlagen als Kaserne errichtet und die Schlosskirche erhielt 1884 eine Umgestaltung. Nach den Absichten der Bauherrn sollte es die weltgeschichtliche Bedeutung der Schlosskirche zum Ausdruck bringen. Im Sinne der Zeit des Historismus wurde die Aussage auf die Vorläufer und Träger der Reformation bezogen und somit eine Reformationsgedenkstätte geschaffen. Stadtkirche Die Stadtkirche ist die Mutterkirche der Reformation. In ihr wurde 1521 die erste evangelische Messe durch Justus Jonas dem Älteren und Andreas Bodenstein von Karlstadt abgehalten. Als Predigerkirche Martin Luthers war sie seit der Reformation Amtskirche der Generalsuperintendenten des sächsischen Kurkreises. Nach dem Wiener Kongress war sie Amtssitz der Wittenberger Superintendenten. Die künstlerische Ausstattung ist gut erhalten und beherbergt unter anderem Werke von Lucas Cranach dem Älteren und Lucas Cranach dem Jüngeren. Epitaphe an den Innen und Außenwänden weisen auf das Wirken vieler bedeutender Persönlichkeiten hin. Die Friedhofskapelle zum heiligen Leichnam steht südlich neben der Marienkirche und gehörte einst zum ummauerten Friedhofsbereich der Stadtpfarrkirche. Augusteum und Lutherhaus Der repräsentative Schaufassadenbau Augusteum ist einst ein Erweiterungsbau der Universität Wittenberg „Leucorea“ gewesen. Er beherbergt heute das evangelische Predigerseminar und dessen altehrwürdige Bibliothek. Im Innenhof des Augusteums befindet sich das einstige Wohnhaus Martin Luthers. Heute befindet sich in dem Gebäude das reformationsgeschichtliche Museum mit seinen Sammlungen von Bildern, Schriften und zeitgenössischen Exponaten der Reformationszeit. Bei der Renovierung des Lutherhaus ging dessen mittelalterlicher Charme teilweise verloren.